Mechanische Prüfung von Schmiedeteilen: Verfahren & Normen

Die mechanische Prüfung von Schmiedeteilen zeigt, ob ein geschmiedeter Stahl nach dem Schmieden und der Wärmebehandlung die geforderten mechanischen Eigenschaften erreicht. Geprüft werden insbesondere Festigkeit, Duktilität, Zähigkeit und Härte.

Zu den wichtigsten Prüfverfahren gehören Zugversuch, Kerbschlagbiegeversuch und Härteprüfung. Je nach Werkstoff, Bauteilgeometrie und Einsatzbedingungen können unterschiedliche Prüfungen und Abnahmekriterien erforderlich sein.

Dieser Leitfaden erläutert die wichtigsten mechanischen Prüfungen für Schmiedeteile, relevante Prüfnormen, Probenentnahme und Bewertung der Prüfergebnisse.

Mechanical testing for forgings to verify the mechanical properties of forged steel components

Was bedeutet mechanische Prüfung bei Schmiedeteilen?

Die mechanische Werkstoffprüfung untersucht, wie sich ein Schmiedewerkstoff unter Belastung oder Verformung verhält und ob die geforderten Eigenschaften nach Schmieden und Wärmebehandlung erreicht wurden.

Sie ist Bestandteil der Qualitätssicherung von Schmiedeteilen, erfüllt jedoch eine andere Aufgabe als chemische Analyse oder zerstörungsfreie Prüfung (ZfP).

PrüfverfahrenWas wird geprüft?
Chemische AnalyseWerkstoffzusammensetzung
Mechanische PrüfungFestigkeit, Duktilität, Zähigkeit und Härte
Zerstörungsfreie Prüfung (ZfP)Oberflächen- und innere Ungänzen

Die chemische Analyse bestätigt die Werkstoffzusammensetzung. ZfP-Verfahren wie Ultraschallprüfung (UT) oder Magnetpulverprüfung (MT) dienen dagegen der Erkennung relevanter Ungänzen.

Die mechanische Prüfung beantwortet eine andere zentrale Frage:

Erfüllt das Schmiedeteil die für seine Anwendung geforderten mechanischen Eigenschaften?

Erst die Kombination dieser Prüfungen ermöglicht eine umfassende Qualitätsbewertung.

Welche mechanischen Prüfungen sind für Stahlschmiedeteile erforderlich?

Zu den häufigsten mechanischen Prüfungen von Stahlschmiedeteilen gehören:

  • Zugversuch
  • Kerbschlagbiegeversuch
  • Härteprüfung

Welche Prüfungen tatsächlich erforderlich sind, hängt unter anderem ab von:

  • Werkstoff und Werkstoffspezifikation
  • Wärmebehandlungszustand
  • Einsatztemperatur und Belastung
  • Bauteilgeometrie
  • Kundenspezifikation und Abnahmeanforderungen
PrüfungErmittelter Kennwert
ZugversuchStreckgrenze, Zugfestigkeit und Duktilität
KerbschlagbiegeversuchKerbschlagarbeit bzw. Zähigkeit
HärteprüfungHärte nach Wärmebehandlung

Nicht jedes Schmiedeteil benötigt alle Prüfungen. Maßgeblich sind immer die geltende Werkstoff- bzw. Produktspezifikation und die vereinbarten Kundenanforderungen.

Zugversuch an Stahlschmiedeteilen

Der Zugversuch an Schmiedeteilen bestimmt Festigkeit und Duktilität des Werkstoffs. Eine genormte Probe wird kontrolliert auf Zug belastet, bis die relevanten Kennwerte ermittelt werden.

Typische Ergebnisse sind:

KennwertAussage
StreckgrenzeBeginn bleibender plastischer Verformung
ZugfestigkeitMaximale Zugspannung
BruchdehnungVerformungsfähigkeit bis zum Bruch
BrucheinschnürungLokale Duktilität im Bruchbereich

Festigkeit und Duktilität sollten gemeinsam bewertet werden. Zwei Schmiedeteile mit ähnlicher Zugfestigkeit können deutliche Unterschiede bei Bruchdehnung oder Brucheinschnürung aufweisen.

Für hochbelastete Wellen, Ringe und andere sicherheitsrelevante Schmiedekomponenten hilft der Zugversuch zu bestätigen, dass Werkstoff und Wärmebehandlung die spezifizierten Eigenschaften erreicht haben.

Kerbschlagbiegeversuch an Stahlschmiedeteilen

Der Kerbschlagbiegeversuch nach Charpy misst die Energie, die eine gekerbte Probe beim schlagartigen Bruch aufnimmt. Damit wird insbesondere das Zähigkeitsverhalten des Werkstoffs bewertet.

Die Prüfung ist besonders relevant bei Schmiedeteilen für:

  • niedrige Einsatztemperaturen
  • dynamische oder stoßartige Belastungen
  • Anwendungen mit erhöhten Anforderungen an die Sprödbruchsicherheit

Von besonderer Bedeutung ist die Prüftemperatur. Stähle können bei sinkender Temperatur einen Übergang von duktilem zu sprödem Bruchverhalten zeigen.

Deshalb sollte ein Charpy-Ergebnis immer zusammen mit Prüftemperatur und vorgeschriebenem Mindestwert bewertet werden.

Eine Angabe wie beispielsweise „27 J“ ist ohne Prüftemperatur und Abnahmekriterium nur eingeschränkt aussagekräftig.

Härteprüfung von Schmiedeteilen

Die Härteprüfung von Schmiedeteilen bestimmt den Widerstand des Werkstoffs gegen lokale plastische Verformung und wird häufig zur Kontrolle des Wärmebehandlungsergebnisses eingesetzt.

Typische Verfahren sind:

  • Brinell-Härteprüfung
  • Rockwell-Härteprüfung
  • Vickers-Härteprüfung, sofern von der Spezifikation vorgesehen

Messungen an definierten Positionen können zeigen, ob der geforderte Härtebereich erreicht wurde und ob die Härte über das Schmiedeteil ausreichend gleichmäßig verteilt ist.

Dies ist insbesondere bei großen Schmiedeteilen relevant, wenn mehrere Messstellen vorgeschrieben sind.

Eine Härteprüfung ersetzt jedoch keinen Zug- oder Kerbschlagbiegeversuch, wenn Festigkeit, Duktilität oder Zähigkeit nachgewiesen werden müssen.

Normen für die mechanische Prüfung von Schmiedeteilen

Die mechanische Prüfung von Schmiedeteilen sollte entsprechend der geltenden Werkstoff- oder Produktspezifikation sowie den darin genannten Prüfverfahren durchgeführt werden.

Für europäische bzw. deutsche Projekte können beispielsweise DIN-EN-ISO-Normen für einzelne Prüfverfahren relevant sein. Bei internationalen oder kundenspezifischen Projekten werden häufig auch ASTM-Anforderungen vorgegeben.

Typische Beispiele sind:

  • DIN EN ISO 6892-1 – Zugversuch an metallischen Werkstoffen bei Raumtemperatur
  • DIN EN ISO 148-1 – Kerbschlagbiegeversuch nach Charpy
  • entsprechende DIN-EN-ISO-Normen für Brinell-, Rockwell- oder Vickers-Härteprüfungen
  • ASTM A370 – mechanische Prüfverfahren für Stahlprodukte

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Prüfnorm und Produktspezifikation:

Produktspezifikation → definiert geforderte Eigenschaften und Abnahmekriterien

Prüfnorm → definiert, wie diese Eigenschaften geprüft werden

ASTM A370 beschreibt beispielsweise Prüfverfahren für Zug-, Härte- und Kerbschlagprüfungen, legt jedoch nicht automatisch einen universellen Satz von Abnahmewerten für alle Schmiedeteile fest.

Wo werden Prüfproben aus einem Schmiedeteil entnommen?

Die Probenentnahme bei Schmiedeteilen sollte bereits vor Produktionsbeginn anhand der geltenden Spezifikation, Bauteilgeometrie und Kundenanforderungen definiert werden.

Prüfmaterial kann beispielsweise entnommen werden aus:

  • einer integrierten Prüfverlängerung
  • einem angeschmiedeten Probenstück
  • einem separaten, repräsentativen Prüfstück
  • einem spezifizierten Bereich des Schmiedeteils

Auch die Probenorientierung ist relevant. Längs- und Querproben können aufgrund des gerichteten Faserverlaufs unterschiedliche Ergebnisse liefern.

Wenn separates Prüfmaterial verwendet wird, sollte es nach Möglichkeit denselben definierten Wärmebehandlungszyklus wie das repräsentierte Schmiedeteil durchlaufen.

Für den Kunden sollten daher bereits vor Produktionsbeginn drei Punkte geklärt sein:

Wo wird die Probe entnommen, wie ist sie orientiert und welches Bauteil bzw. Fertigungslos repräsentiert sie?

Wie werden mechanische Prüfergebnisse bewertet?

Mechanische Prüfergebnisse werden mit den Abnahmekriterien der geltenden Werkstoff- oder Produktspezifikation sowie den vereinbarten Kundenanforderungen verglichen.

Ein einzelner Messwert reicht für eine technische Bewertung häufig nicht aus.

Bei Zugversuchen sollten beispielsweise Probenposition und -orientierung berücksichtigt werden. Kerbschlagwerte müssen zusammen mit Prüftemperatur und Mindestwert betrachtet werden. Härtewerte sollten der vorgeschriebenen Messposition und Härteskala zugeordnet sein.

Besonders bei großen, kundenspezifischen oder sicherheitsrelevanten Schmiedeteilen sollten diese Abnahmekriterien bereits vor Produktionsbeginn eindeutig definiert werden.

Mechanische Prüfung vs. zerstörungsfreie Prüfung (ZfP)

Mechanische Prüfung und zerstörungsfreie Prüfung von Schmiedeteilen erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

Mechanische PrüfungZerstörungsfreie Prüfung
Prüft Festigkeit, Duktilität, Zähigkeit und HärteErkennt relevante Oberflächen- oder innere Ungänzen
Zug-, Kerbschlag- und HärteprüfungUT, MT, PT und weitere ZfP-Verfahren
Häufig Prüfung an ProbenPrüfung meist direkt am Schmiedeteil

Ein Schmiedeteil kann eine Ultraschallprüfung bestehen und trotzdem die geforderten Zugkennwerte nicht erreichen. Umgekehrt schließen gute mechanische Kennwerte relevante innere oder oberflächennahe Ungänzen nicht automatisch aus.

Bei kritischen Schmiedeteilen ergänzen sich mechanische Prüfung und ZfP daher und sollten nicht als austauschbare Prüfmethoden betrachtet werden.

Fazit

Eine zuverlässige mechanische Prüfung von Schmiedeteilen bewertet nicht nur einzelne Messwerte. Entscheidend sind auch eine repräsentative Probenentnahme, das richtige Prüfverfahren und die geltenden Abnahmekriterien.

Für eine nachvollziehbare Qualitätsbewertung sollten Prüfergebnisse eindeutig auf Werkstoff, Wärmebehandlungszustand, Probenposition und Fertigungslos zurückgeführt werden können.

So lässt sich zuverlässig beurteilen, ob das Schmiedeteil die geforderten mechanischen Eigenschaften für seine vorgesehene Anwendung erfüllt.

Welche mechanischen Prüfungen werden bei Stahlschmiedeteilen häufig durchgeführt?

Zu den häufigsten Prüfverfahren gehören Zugversuch, Härteprüfung und Kerbschlagbiegeversuch. Welche Prüfungen erforderlich sind, hängt von Werkstoff, Produktspezifikation, Einsatzbedingungen und Kundenanforderungen ab.

Wofür wird ASTM A370 bei Schmiedeteilen verwendet?

ASTM A370 beschreibt Prüfverfahren für Stahlprodukte, darunter Zug-, Härte- und Kerbschlagprüfungen. Die jeweiligen Abnahmekriterien werden durch die geltende Werkstoff- oder Produktspezifikation festgelegt.

Wo werden Zugproben aus einem Schmiedeteil entnommen?

Die Probenposition richtet sich nach Produktspezifikation, Bauteilgeometrie und Kundenanforderungen. Auch Probenorientierung und Wärmebehandlungszustand müssen berücksichtigt werden, damit die Ergebnisse repräsentativ sind.

Reicht eine Härteprüfung zur Bewertung der mechanischen Eigenschaften aus?

Nein. Die Härteprüfung bewertet Härte und Wärmebehandlungszustand, ersetzt jedoch keinen Zug- oder Kerbschlagbiegeversuch, wenn Festigkeit, Duktilität oder Zähigkeit nachgewiesen werden müssen.

Wann ist eine Charpy-Prüfung bei −20 °C erforderlich?

Eine Charpy-Prüfung bei −20 °C ist erforderlich, wenn dies durch Produktspezifikation, Konstruktionsanforderungen oder Einsatzbedingungen vorgegeben wird. Für Stahlschmiedeteile gilt −20 °C nicht als allgemeine Prüftemperatur.

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