Kundenspezifische Schmiedeteile: Bauteile für OEM-Projekte richtig spezifizieren
Kundenspezifische Schmiedeteile werden nach Zeichnung und technischen Anforderungen des Kunden gefertigt und nicht nach standardisierten Lagerabmessungen. Bei OEM-Projekten sollten Werkstoff, Wärmebehandlung, mechanische Eigenschaften, Abmessungen, Bearbeitungsumfang und Prüfanforderungen bereits vor Produktionsbeginn eindeutig festgelegt werden.
Ebenso wichtig ist der gewünschte Lieferzustand – vom Schmiederohling bis zum einbaufertig bearbeiteten Bauteil. Ist eine CNC-Bearbeitung vorgesehen, sollten Bearbeitungszugaben, Wärmebehandlung, Bezugsflächen und Endprüfung frühzeitig aufeinander abgestimmt werden.
Dieser Leitfaden zeigt, wie OEM-Einkäufer und Konstrukteure kundenspezifische Schmiedeteile spezifizieren, geeignete Werkstoffe und Schmiedeverfahren auswählen und eine vollständige Anfrage vorbereiten.

Was sind kundenspezifische Schmiedeteile?
Kundenspezifische Schmiedeteile werden nach Kundenzeichnung und projektspezifischen technischen Anforderungen gefertigt.
Typische Spezifikationen umfassen:
- Werkstoff und Werkstoffnorm
- Schmiedeverfahren
- Wärmebehandlung
- mechanische Eigenschaften
- Bearbeitungszustand
- Maße und Toleranzen
- zerstörungsfreie Prüfung (ZfP)
- Qualitäts- und Prüfdokumentation
Je nach Projekt können die Teile als Schmiederohlinge, vorbearbeitete Werkstücke oder vollständig CNC-bearbeitete Komponenten geliefert werden.
Wann sollte ein OEM ein Schmiedeteil vorsehen?
Schmiedeteile eignen sich besonders für Bauteile, die hohen statischen oder dynamischen Belastungen, Stoßbeanspruchungen oder anspruchsvollen Betriebsbedingungen ausgesetzt sind. Durch die gezielte Werkstoffumformung können ein günstiger Faserverlauf und geeignete mechanische Eigenschaften erreicht werden.
Typische Gründe für den Einsatz eines Schmiedeteils sind:
- hohe statische oder wechselnde Belastungen
- ermüdungskritische Anwendungen
- Stoß- und Schlagbeanspruchung
- hohe Anforderungen an Festigkeit und Zähigkeit
- sicherheits- oder funktionskritische Bauteile mit definierten Prüfanforderungen
Typische Anwendungen sind Wellen, Ringe, Bolzen, Zahnräder, Kupplungsteile und andere hochbelastete Maschinenkomponenten.
Schmieden ist jedoch nicht automatisch für jedes Metallbauteil die wirtschaftlichste Lösung. Geometrie, Stückzahl, Bearbeitungsumfang und Gesamtkosten des Fertigteils müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Welcher Werkstoff sollte spezifiziert werden?
Die Werkstoffauswahl für kundenspezifische Schmiedeteile sollte von den Einsatzbedingungen des fertigen Bauteils ausgehen. Festigkeit, Zähigkeit, Härtbarkeit, Ermüdungsfestigkeit, Korrosionsbeständigkeit, Betriebstemperatur, Bauteilquerschnitt und Wärmebehandlung beeinflussen die Auswahl.
Für industrielle OEM-Projekte in Deutschland und Europa werden häufig Kohlenstoffstähle, Vergütungsstähle und nichtrostende Stähle eingesetzt.
| Werkstoffgruppe | Typische europäische / internationale Güten | Wichtige Kriterien | Typische Anwendungen |
|---|---|---|---|
| Kohlenstoffstahl | C45 / C45E, AISI/SAE 1045 | Kosten, Festigkeit, Zerspanbarkeit | Bolzen, Wellen, allgemeine Maschinenbauteile |
| Legierter Stahl / Vergütungsstahl | 42CrMo4, AISI/SAE 4140, 34CrNiMo6 / AISI 4340 | Festigkeit, Härtbarkeit, Zähigkeit, Ermüdungsfestigkeit | Wellen, Zahnräder, Kupplungen, hochbelastete Bauteile |
| Edelstahl | 1.4301/304, 1.4404/316L, 17-4 PH | Korrosionsbeständigkeit, Festigkeit, Einsatzumgebung | Anlagenbau, Wellen, korrosionsbeanspruchte Komponenten |
Schmiedeteile aus Kohlenstoffstahl
C45 und C45E werden häufig für allgemeine Maschinenbauteile eingesetzt, wenn keine besonders hohe Härtbarkeit erforderlich ist. Sie bieten für viele Wellen, Bolzen und mechanische Komponenten ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Festigkeit, Zerspanbarkeit, Verfügbarkeit und Kosten.
Schmiedeteile aus legiertem Stahl
Werkstoffe wie 42CrMo4 oder 34CrNiMo6 kommen zum Einsatz, wenn höhere Anforderungen an Festigkeit, Zähigkeit, Härtbarkeit oder Ermüdungsfestigkeit bestehen.
Die endgültige Auswahl sollte jedoch immer Bauteilquerschnitt und Wärmebehandlungszustand berücksichtigen. Ein Vergleich allein anhand nomineller Festigkeitswerte reicht nicht aus.
Schmiedeteile aus Edelstahl
Nichtrostende Stähle wie 1.4301/304 oder 1.4404/316L eignen sich für Anwendungen, bei denen Korrosionsbeständigkeit und Umgebungsbedingungen eine wesentliche Rolle spielen. Die Werkstoffauswahl muss sowohl auf die Einsatzumgebung als auch auf die geforderten mechanischen Eigenschaften abgestimmt werden.
Welches Schmiedeverfahren passt zum Bauteil?
Das geeignete Schmiedeverfahren hängt von Geometrie, Abmessungen, Stückzahl, Werkzeugkosten und dem gewünschten Werkstofffluss ab. Entscheidend ist nicht nur die Herstellung des Rohteils, sondern auch der spätere Bearbeitungsaufwand.
| Schmiedeverfahren | Typischer Einsatz | Wichtiger Beschaffungsaspekt |
| Gesenkschmieden | Wiederholteile mit definierter Geometrie | Werkzeugkosten und Jahresstückzahl |
| Freiformschmieden | Große Bauteile oder kleinere Stückzahlen | Größenflexibilität und Bearbeitungsaufwand |
| Ringwalzen | Nahtlose Ringe und ringförmige Bauteile | Durchmesser, Wandstärke und Bearbeitungszugabe |
Die Auswahl sollte daher immer gemeinsam mit Fertigteilzeichnung, erwarteter Jahresmenge und Bearbeitungskonzept betrachtet werden.
Was sollte auf einer Zeichnung für Schmiedeteile definiert sein?
Eine Zeichnung für ein kundenspezifisches Schmiedeteil sollte alle Anforderungen enthalten, die Werkstoffauswahl, Schmieden, Wärmebehandlung, Zerspanung und Prüfung beeinflussen. Eine reine Fertigteilzeichnung reicht insbesondere bei vollständig bearbeiteten Komponenten nicht immer aus, um den gesamten Fertigungsweg eindeutig festzulegen.
Werkstoff und Wärmebehandlung
Werkstoffgüte und anzuwendende Norm sollten eindeutig angegeben werden. Falls erforderlich, ist zusätzlich der Wärmebehandlungszustand festzulegen.
Eine Angabe wie „4140“ allein definiert beispielsweise nicht zwangsläufig Werkstoffnorm, Härte oder geforderte mechanische Eigenschaften.
Kritische Maße und Bearbeitungszugaben
Kritische Maße, Bezugsflächen, Passungen, Funktionsflächen und relevante GPS-/GD&T-Anforderungen sollten eindeutig gekennzeichnet sein. Auf dieser Grundlage kann der Schmiedehersteller geeignete Rohteilabmessungen und Bearbeitungszugaben festlegen.
Mechanische Anforderungen
Wenn die Bauteilabnahme von mechanischen Eigenschaften abhängt, sollten Zugfestigkeit, Streckgrenze, Dehnung, Härte, Kerbschlagarbeit oder andere relevante Kennwerte spezifiziert werden. Falls erforderlich, sind auch Prüfverfahren und anzuwendende Normen festzulegen.
Vom Schmiederohling zum Fertigteil: Wo kommt die CNC-Bearbeitung ins Spiel?
Viele OEM-Komponenten können nicht direkt im geschmiedeten Zustand eingesetzt werden. Lagersitze, Bohrungen, Gewinde, Verzahnungen, Dichtflächen, Montageflächen und andere Funktionsbereiche erfordern häufig eine CNC-Bearbeitung, um die geforderten Maße, Toleranzen und Oberflächen zu erreichen.
Werden Schmieden und Zerspanung gemeinsam geplant, können Bearbeitungszugaben, Wärmebehandlung, kritische Bezugsflächen und Endprüfung bereits früh im Fertigungsprozess berücksichtigt werden.

Wann ist CNC-Bearbeitung nach dem Schmieden erforderlich?
CNC-Bearbeitung ist insbesondere dann erforderlich, wenn das Fertigteil enge Toleranzen, präzise Bezugsflächen, Bohrungen, Gewinde, komplexe Konturen oder definierte Oberflächenqualitäten aufweist, die durch das Schmieden allein technisch oder wirtschaftlich nicht erreicht werden können.
Warum Schmieden und CNC-Bearbeitung integrieren?
Ein abgestimmter Fertigungsweg für Schmieden und CNC-Bearbeitung bietet OEM-Kunden drei praktische Vorteile:
- Durchgängige Rückverfolgbarkeit: Schmelzen- bzw. Chargennummern, Schmiedelose, Wärmebehandlungsdaten, Bearbeitungsschritte und Prüfergebnisse bleiben miteinander verknüpft.
- Einfachere technische Abstimmung: Zeichnungsänderungen, Bearbeitungsfragen und Qualitätsabweichungen können innerhalb einer Fertigungskette geklärt werden.
- Weniger Schnittstellen: Weniger externe Übergaben erleichtern die Prozesskontrolle vom Rohmaterial bis zum fertig bearbeiteten Bauteil.
Bei Weforging können Schmieden, Wärmebehandlung, CNC-Bearbeitung und Endprüfung als abgestimmter Fertigungsweg für OEM-Komponenten organisiert werden.
Welche Toleranzen sind bei Schmiedeteilen realistisch?
Einkäufer und Konstrukteure sollten zwischen Schmiedetoleranzen und den Toleranzen des fertig bearbeiteten Bauteils unterscheiden.
Die erreichbaren Schmiedetoleranzen hängen unter anderem von Bauteilgröße, Geometrie, Schmiedeverfahren, Werkzeugauslegung, Werkstoffverhalten und Abkühlung ab. Kritische Passungen und Funktionsflächen werden deshalb häufig mit Bearbeitungszugabe geschmiedet und anschließend spanend fertiggestellt.
Unnötig enge Toleranzen am Schmiederohling können Werkzeugaufwand und Kosten erhöhen, ohne die Funktion des Fertigteils zu verbessern. Sinnvoller ist es, bereits in der Konstruktion festzulegen, welche Maße beim Schmieden kontrolliert und welche durch die Endbearbeitung erzeugt werden.
Welche Qualitätsanforderungen sollten spezifiziert werden?
Die Qualitätsanforderungen für kundenspezifische Schmiedeteile sollten vor Produktionsbeginn feststehen. Der erforderliche Prüfumfang hängt von Bauteilfunktion, Werkstoff, Einsatzrisiko, Zeichnung und anzuwendenden Normen ab.
Bei kritischen Bauteilen sollten nicht nur die Prüfverfahren, sondern auch Prüfzeitpunkt, Prüfumfang und Abnahmekriterien definiert werden.
Werkstoffrückverfolgbarkeit
Wenn Rückverfolgbarkeit gefordert ist, muss die Werkstoffidentifikation mit den relevanten Fertigungs- und Prüfunterlagen verknüpft bleiben. Schmelzen- bzw. Chargennummern und Werkstoffzeugnisse ermöglichen die Rückverfolgung des Fertigteils bis zum Ausgangsmaterial.
Mechanische Prüfung
Je nach Zeichnung und Werkstoffspezifikation können Zugprüfung, Härteprüfung, Kerbschlagbiegeversuch oder weitere mechanische Prüfungen erforderlich sein.
Sind die Ergebnisse abnahmerelevant, sollten Prüfverfahren, Probenumfang und Grenzwerte eindeutig festgelegt werden.
Zerstörungsfreie Prüfung (ZfP)
Ist eine zerstörungsfreie Prüfung erforderlich, sollte die Spezifikation das Prüfverfahren, die anzuwendende Norm, den Prüfzeitpunkt, den Prüfumfang und die Zulässigkeitskriterien enthalten.
Je nach Werkstoff und Bauteil können beispielsweise Ultraschallprüfung (UT) für innere Ungänzen oder Magnetpulverprüfung (MT) für oberflächennahe Anzeigen eingesetzt werden.
Maßprüfung
Kritische Maße, Bezugsflächen, Toleranzen und geometrische Anforderungen sollten in der dafür vorgesehenen Fertigungsstufe geprüft werden. Bei vollständig bearbeiteten Schmiedeteilen bestätigt die Endprüfung vor Versand die Übereinstimmung mit der Zeichnung.
Schmieden, Gießen oder Zerspanen – welches Verfahren passt zum Projekt?
Kein Fertigungsverfahren ist grundsätzlich überlegen. Die richtige Wahl hängt von Bauteilgeometrie, mechanischen Anforderungen, Stückzahl, Materialausnutzung, Werkzeugkosten und den Gesamtkosten des Fertigteils ab.
| Kriterium | Schmieden | Gießen | Zerspanen aus Vollmaterial |
| Mechanische Belastbarkeit | Gut für hochbelastete Bauteile | Abhängig von Werkstoff und Gussqualität | Abhängig vom Ausgangsmaterial |
| Komplexe Geometrien | Mittel | Hoch | Hoch |
| Werkzeugbedarf | Verfahrensabhängig | Häufig erforderlich | Meist geringer |
| Materialabtrag | Mittel | Gering | Häufig höher |
| Serienfertigung | Gut geeignet | Gut geeignet | Anwendungsabhängig |
Ein hochfestes Bauteil muss nicht automatisch geschmiedet werden, ebenso wenig wie eine komplexe Geometrie automatisch ein Gussteil erfordert. Entscheidend sind die tatsächlichen technischen und wirtschaftlichen Anforderungen des Projekts.
Welche Angaben werden für eine Anfrage für kundenspezifische Schmiedeteile benötigt?
Eine vollständige RFQ für Schmiedeteile ermöglicht es dem Hersteller, Herstellbarkeit, Fertigungsweg und Angebotsumfang zuverlässig zu bewerten. Je eindeutiger die Anforderungen definiert sind, desto weniger Annahmen sind bei Werkstoff, Werkzeugen, Wärmebehandlung, Bearbeitung und Prüfung erforderlich.
| Benötigte Information | Warum sie wichtig ist |
| Zeichnung / CAD-Modell | Definiert Geometrie, Funktionsmerkmale und Fertigmaße |
| Werkstoff und Norm | Klärt Werkstoffspezifikation und Beschaffungsanforderungen |
| Wärmebehandlung | Definiert den geforderten Endzustand |
| Mechanische Eigenschaften | Legt Leistungs- und Abnahmekriterien fest |
| ZfP / Prüfanforderungen | Definiert Prüfverfahren, Umfang und Abnahmekriterien |
| Lieferzustand | Schmiederohling, vorbearbeitet oder fertig bearbeitet |
| Bearbeitungsanforderungen | Definiert Endtoleranzen, Bezugsflächen und Oberflächen |
| Bestellmenge / Jahresbedarf | Beeinflusst Schmiedeverfahren, Werkzeugkonzept und Produktionsplanung |
| Dokumentation | Definiert Werkstoffzeugnisse, Prüfberichte, FAI, PPAP oder weitere Nachweise |
Technischer Hinweis: Eine Angabe wie „UT erforderlich“ kann für ein kritisches Schmiedeteil zu ungenau sein. Wo erforderlich, sollten zusätzlich Prüfnorm, Prüfzustand, Prüfumfang und Zulässigkeitskriterien angegeben werden.
Sind einzelne Anforderungen noch nicht endgültig festgelegt, kann eine gemeinsame Zeichnungs- und Spezifikationsprüfung vor der Angebotserstellung helfen, offene Punkte zu Herstellbarkeit, Prüfung, Bearbeitung und Kosten frühzeitig zu klären.
Wie sollten OEM-Einkäufer einen Hersteller für kundenspezifische Schmiedeteile bewerten?
Bei der Auswahl eines Schmiedeteile-Herstellers sollten nicht nur Pressenkapazität, Maschinenpark und Angebotspreis bewertet werden. Entscheidend ist, ob der Lieferant Zeichnungen technisch versteht, einen vollständigen Fertigungsweg planen und kritische Prozesse nachvollziehbar kontrollieren kann.
Engineering- und DFM-Unterstützung
Der Hersteller sollte Zeichnungen vor Produktionsbeginn prüfen und mögliche Probleme hinsichtlich Schmiedbarkeit, Werkstoff, Rohteilgeometrie, Bearbeitungszugaben, Werkzeugauslegung und Prüfung erkennen.
Eine frühzeitige DFM-Prüfung reduziert das Risiko späterer Änderungen nach Werkzeugfreigabe oder Produktionsstart.
Integration von Schmieden und Bearbeitung
Bei fertig bearbeiteten Komponenten sollte geprüft werden, ob der Lieferant Schmiederohteil, Wärmebehandlung, Bearbeitungszugaben, Bezugsflächen, Endtoleranzen und Prüfung innerhalb eines abgestimmten Fertigungsplans koordinieren kann.
Qualitäts- und Prozesskontrolle
Wichtig ist nicht nur, welche Prüfverfahren vorhanden sind, sondern wie Werkstoffrückverfolgbarkeit, Schmieden, Wärmebehandlung, mechanische Prüfung, ZfP, CNC-Bearbeitung und Endkontrolle über den gesamten Prozess gesteuert werden.
Dokumentation für OEM-Projekte
Bereits vor Produktionsbeginn sollte geklärt werden, welche Unterlagen benötigt werden. Dazu können Werkstoffzeugnisse, mechanische Prüfberichte, ZfP-Berichte, Maßprüfprotokolle sowie – je nach Projekt – FAI- oder PPAP-Dokumentationen gehören.
